Offene Diskriminierung von Menschen
11. März 2026

Im Rahmen ihrer Bildungs- und Kulturarbeit organisierten Capitol Mannheim, Marchivum und Heinrich-Vetter-Stiftung ein generationenübergreifendes Projekt, das Geschichte, Erinnerungskultur und gesellschaftliche Verantwortung miteinander verband und Jugendliche sowie Seniorinnen und Senioren gleichermaßen einbezog.

„Es ist wichtig, sich mit diesem dunklen Kapitel deutscher Geschichte aktiv zu befassen“, so Antje Geiter. Die Leiterin des Ideellen Bereichs der Heinrich-Vetter-Stiftung konnte zur Aufführung des Musicals „Cabaret“ im Capitol rund 250 Schülerinnen und Schüler aus 10 Klassen und über 250 ältere Erwachsene begrüßen. Diese erlebten nicht nur das hervorragend inszenierte Musical, das im Berlin der frühen 1930er Jahre spielt und auf eindringliche Weise zeigt, wie Antisemitismus und Nationalsozialismus in selbst scheinbar unpolitische Bereiche eindringt, die Schülerinnen und Schüler hatten auch nach Ende der Aufführung die Gelegenheit sich mit den Schauspielern zu unterhalten. Dabei räumten die Darsteller in der sehr persönlichen Sicht auf ihre Rolle ein, dass die zunächst subtile und später ganz offene Diskriminierung von Menschen, sie schon sehr persönlich betroffen gemacht habe.

Zu dem Musical war ein begleitender Vortrag über die politische und gesellschaftliche Situation „Am Abend vor 1933“ in der Heinrich-Vetter-Stiftung (wir berichteten) und ein Besuch der Ausstellung „Was hat das mit mir zu tun?“ im Marchivum angeboten worden. Thematisiert wurde dabei jeweils die Entwicklung des Nationalsozialismus über die Machtergreifung zur „Verordnung zum Schutz von Volk und Staat“, zwecks Aufhebung wesentlicher Grundrechte in Deutschland und in Mannheim. Das „Reichskulturkammergesetz“, als zentrales Instrument zur Gleichschaltung des kulturellen Lebens im NS-Staat, als Teil politischer und gesellschaftlicher Gleichschaltung, traf die Kabarettszene durch das Berufsverbot für jüdische oder homosexuell orientierte Mitbürger und regimekritische Autoren besonders.

Der Lauf der weiteren Geschichte über die Ausschaltung jeglicher Opposition und Abschaffung der Pressefreiheit hin zur Ermordung von allein sechs Millionen jüdischen Mitbürgern bis zum millionenfachen Tod junger Soldaten und weiter Bevölkerungskreise, durch den von den Nazis letztlich angezettelten Zweiten Weltkrieg, war klar erkennbar und „soll ständige Mahnung sein, dass sich so etwas nicht wiederholen darf“, so Antje Geiter. 06.03.2026