Heinrich Vetter

Heinrich Vetter wird am 24. Dezember 1910 in Mannheim geboren. 1929 legt er sein Abitur ab. Nach einem Volontariat in einem Textilhaus studierte er Betriebswirtschaftslehre an der Handelshochschule Mannheim und der Universität Berlin. Danach tritt er in die Mitleitung des elterlichen Kaufhauses Vetter in Mannheim ein. (Geschichte Kaufhaus Vetter)

Das im Jahr 1885 durch Vetters Großmutter Barbara Müller gegründete Kaufhaus ist das erste, das über ein Teilzahlungssystem den Kunden eine bessere und bequemere Versorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs ermöglicht. Dieses damals noch weithin unbekannte Prinzip der Ratenzahlung wird übrigens vom Enkel Heinrich Vetter später weiter ausgebaut. Im November 1936 bezieht das Kaufhaus die neuen Räumlichkeiten im ehemaligen Defaka-Hochhaus im Quadrat N 7, 3. Das Turmhaus soll fortan zum markanten Wahrzeichen des Kaufhauses Vetter werden. (Arisierung)

Als 1939 der Krieg beginnt, meldet sich der Kaufmannssohn als Freiwilliger zum Militär. Zum Offizier befördert, erlebt er 1941/42 schwere Kämpfe am russischen Mittel- und Südabschnitt. Ein Bauchschuss, der ihn 1944 lebensgefährlich verletzt, wird zum einschneidenden und prägenden Erlebnis. Im Mai 1945 gerät er in französische Gefangenschaft, aus der er 1946 entlassen wird.

Eine Mannheimer Erfolgsgeschichte

Aus dem Krieg zurückgekehrt, wird Heinrich Vetter 1946 Geschäftsführer des elterlichen Kaufhauses Vetter und beschert den Mannheimern ein reiches Warenangebot. Ende der sechziger Jahre erkennt er, dass er auf Dauer mit den Filialgroßkaufhäusern nicht konkurrieren kann und übergibt sein Kaufhaus an den Horten Konzern (heute Kaufhof) und avanciert zu dessen Generalbevollmächtigten. Die Immobilie bleibt im Familienbesitz. Heinrich Vetter trägt persönlich die betriebliche Altersvorsorge der "Vetterianer". 1985 zieht sich der Unternehmer ins Privatleben zurück, verwaltet fortan die Vetter Vermögensanlagen und widmet sich dem Ausbau seiner umfangreichen Bilder- und Skulpturensammlung. Nun beginnt sein staunenswertes mäzenatisches Wirken. Die Erinnerung daran wird fortdauernd neben vielen anderen beispielsweise wachgehalten durch die mit seinem Namen verbundenen Einrichtungen, wie der mit seinen Skulpturen gesäumte Weg im Luisenpark, das ehemalige Forum in der Kunsthalle, der Hörsaal in der Universität, die Passage in der Mannheimer Innenstadt und die Kurpfalzbibliothek in Lorsch.  (weitere Einrichtungen).

1997 gründet Heinrich Vetter die "Heinrich-Vetter-Stiftung", deren Stiftungszweck die Förderung der Allgemeinheit sein soll.

Aufgrund seines herausragenden bürgerschaftlichen Engagements und seiner bleibenden Verdienste um seine Heimatstadt wird Heinrich Vetter 1999 mit der Ehrenbürgerwürde der Stadt Mannheim ausgezeichnet. Zu weiteren Auszeichnungen, die Heinrich Vetter erhielt, zählen: Ehrenbürgerschaft seiner Wohnsitzgemeinde llvesheim, Ehrensenator und Ehrendoktor der Universität Mannheim, Bundesverdienstkreuz, Ritter des päpstlichen St. Silvester-Ordens und Kurpfalzehrenring, daneben viele Ehrenmitgliedschaften in Vereinen und Organisationen (weitere Auszeichnungen).

Am 3. Februar 2003 ist Heinrich Vetter in seiner Wohnsitzgemeinde Ilvesheim im Alter von 92 Jahren gestorben. Die Vetter-Stiftung ist die Alleinerbin des unverheirateten, kinderlosen Diplom-Kaufmanns. In der Satzung seiner Stiftung verpflichtet der "Ehrenanstifter Mannheims" seine Nachfolger, Aktivitäten zu fördern, die vorrangig dem Wohle Mannheims und seiner Einwohner dienen.

Heinrich Vetter wollte sich mit seinem karitativen Wirken immer als "Anstifter" verstanden wissen, der nicht nur Geld spendete, sondern stets anregen wollte, dass auch andere seinem beispielhaften Einsatz folgten. Von seiner geschäftstüchtigen Großmutter hat er die unternehmerische Tüchtigkeit und die Ausdauer geerbt, von seiner Mutter den tiefen katholischen Glauben. Ihre letzten Worte kurz vor ihrem Tod, nahm sich der Sohn Zeit seines Lebens zu Herzen: "Vergiss mir nicht, auch an die zu denken, denen es nicht so gut geht".